Le Grand Magasin
Begleitveranstaltung zu Le Grand Magasin - temporäres Kaufhaus für genossenschaftliche Produktion und Kunstprojekt von Andreas Wegner
In einem Kaufhaus werden üblicherweise die künstlerischen Disziplinen
unter das Primat der Ökonomie gestellt, d.h. die Künste werden in
den Dienst für das Geschäft genommen (z.B. Werbung, Design, Architektur).
Im Le Grand Magasin geht es darum, dass die Künstler sich in einem
umkehrenden Akt das Kaufhaus aneignen und dieses für Zwecke nutzbar
machen, die von der Kunst als relevant erklärt werden.
Von September 2008 bis Ende 2009 wurde in Berlin das Kaufhaus Le Grand
Magasin betrieben, in dem ausschließlich Waren europäischer Produktiv-
genossenschaften aus dem Nonfood-Bereich ausgestellt wurden. Drei Ausstel-
lungen in Ungarn und Tschechien sowie ein Kongress in Deutschland fassen
die Ergebnisse zusammen. Ein Teil der Ausstellung ist derzeit im Frankfurter
Kunstverein zu sehen.
"In sozialen Transformationskrisen nehmen Bedeutungen alternativer ökonomischer Produktionsmodelle zu. Eine begrifflich unmissverständliche und klare Bestimmung der Formen alternativen Wirtschaftens - einer „Gegenökonomie“ innerhalb der kapitalistischen Produktionsordnung - fällt schon deshalb schwer, weil diese Formen seit ihrer Entstehung selbst diverse Transformationsprozesse durchlaufen haben.
Diese Tendenz ist durch das sogenannteOppenheimer-scheTransformations-gesetz ausgedrückt, demzufolge alternative Betriebe im Kontext der Marktwirtschaft nicht in der Lage sind, ihre ursprünglichen Ziele über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten, sodass sie sich im Laufe der Zeit immer mehr den konkurrierenden Unternehmen angleichen." Andreas Wegner
Von Genossenschaften, selbstverwalteten Betrieben, interkulturellen Gärten bis zu Open Source und Freier Software gibt es auch in Europa eine große Bandbreite sogenannter alternativer Wirtschaftsformen.
Manche Beobachter sind der Meinung, dass gerade auch im Zuge der Finanz- bzw. Wirtschaftskrise im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach selbstbestimmter Arbeit und solidarischer Ökonomie und fehlenden Berufsperspektiven der Bereich der selbstverwalteteten Ökonomie wachsen wird. Andere sehen diese tendenziell allerdings eher auf eine Armutsökonomie beschränkt, die exkludierte Bevölkerungsgruppen auffängt.
Die Veranstaltung an der Schnittstelle zwischen Kunst, Politik und Ökonomie befasst sich zum einen mit Produktivgenossenschaften und Alternativbetrieben in Europa und fragt nach deren Perspektive, zum anderen mit der Frage, was das Künstlerische an Le Grand Magasin ist.
Mit:
Andreas Wegner, Künstler und Projektleiter von Le Grand Magasin, Berlin
Hans-Gerd Nottenbohm, innova eG, Projektbüro Dortmund, Bundesverband zur Förderung des Genossenschaftsgedankens
Termin:
Mittwoch, 17. März 2010, 19.00 Uhr
Café im Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44,
Frankfurt am Main
Veranstalter: Heinrich-Böll-Stiftung Hessen und Frankfurter Kunstverein




